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Führung braucht System

Warum individuelle Führung einem unternehmensbezogenen Führungs- und Organisationssystem folgen muss.

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Die gegenwärtige Führungsdebatte konzentriert sich auffallend stark auf die persönliche Kompetenz von Führungskräften. Empathie, Kommunikationsstärke, Authentizität oder emotionale Intelligenz gelten vielfach als zentrale Kriterien guter individueller Führung. Diese Perspektive unterschätzt jedoch einen fundamentalen Aspekt: Denn Führung ist keine private Angelegenheit der jeweiligen Führungskraft. Sie ist eine Funktion und essentielle Ressource des Unternehmens. Exzellente Führung entsteht deshalb nicht allein durch individuelle persönliche Stärke, sondern erst eingebettet in einem unternehmensspezifischen Führungssystem.

Eingebettet in Organisationslogik

Schlechte Systeme neutralisieren gute individuelle Führung: Eine exzellente Führungskraft kann dauerhaft kaum wirksam führen, wenn Entscheidungsrechte unklar verteilt sind, Zielsysteme widersprüchliche Signale senden oder organisatorische Strukturen die Zusammenarbeit behindern.
Was also zunächst nach Vielfalt klingt, produziert im Unternehmenskontext häufig Inkonsistenz. Damit individuelle Führung nicht beliebig wird, muss sie einer gemeinsamen organisationalen Logik folgen. Insofern gilt es, unternehmensseitig wirksame organisatorische Strukturen zu schaffen, in denen individuelle Führung wirksam werden kann und zum unternehmerischen Erfolg führt. Exzellente Führung braucht daher ein unternehmensspezifisches Führungssystem, das unter anderem folgende grund­legende Fragen beantworten muss: Welche Werte und Führungsprinzipien gelten verbindlich? Wie sind Rollen, Rechte und Verantwortlichkeiten definiert? Wie werden Entscheidungen getroffen? Wer trägt welche Verantwortung? Sind zentrale Führungsprozesse und -instrumente standardisiert? Entsprechen Anreiz- und Bewertungssysteme der Unternehmensstrategie?

Das Missverständnis von Standardisierung

Kritiker wenden häufig ein, ein konsistentes Führungsmodell gefährde Individualität. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Ein gutes Führungssystem standardisiert nicht die individuelle Persönlichkeit, sondern die gemeinsamen Führungsprinzipien. Und es definiert den Rahmen, innerhalb dessen Führungskräfte ihre individuelle Stärke entfalten können. Somit handelt die Führungskraft nicht losgelöst vom Unternehmen, sondern im Einklang mit dessen strategischer und organisatorischer Logik. Das System gibt Richtung, die Persönlichkeit Wirkung.

Unabhängig von Unternehmensgröße

Die Etablierung eines Führungssystems ist keine Frage der Unternehmensgröße, sondern beginnt spätestens dort, wo Führung nicht mehr ausschließlich durch den Gründer oder Geschäftsführer selbst erfolgt. Gerade kleinere Unternehmen und Start-ups sollten rechtzeitig darüber nachdenken, nach welchen gemeinsamen Prinzipien geführt, entschieden und Verantwortung übertragen werden soll, um bereits in einem frühen Stadium Führung über mehrere Personen hinweg konsistent zu machen.

Resümee

Die entscheidende Herausforderung für Unternehmen besteht nicht nur darin, bessere Führungskräfte zu entwickeln, sondern einen organisatorischen Rahmen für exzellente Führung zu schaffen. Denn auch die beste Führungskraft bleibt nur begrenzt wirksam, wenn Strukturen widersprüchlich, Verantwortlichkeiten unklar und Führungsprinzipien beliebig bleiben. Nicht starke Persönlichkeiten allein schaffen exzellente Führung. Exzellente Führung entsteht dort, wo starke Persönlichkeiten auf konsistente Führungssysteme treffen. 

Der Gastbeitrag von Dr. Susanne Simon und Jochen Trockle wurde |transkript 3/2026 entnommen.

Dr. Susanne Simon ist Senior Partner der TROCKLE Unternehmensberatung. Sie schreibt regelmäßig über Management und Unternehmensführung.
Kontakt: simon@trockle-unternehmensberatung.com

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